Senkobobuddhismus 

Senkozan Tempel

Unsere Praxisrichtung steht in der Tradition von Tatsutayama-Senkobo, einem Tempel in Westjapan, der um 1470 von Minonokami Usami begründet wurde. Unser Lehrer, in dessen Tradition wir ein buddhistisches Leben führen, ist der Jôdo-Shin-Prister in der 23. Generation Reiunken Shue Usami Roshi, der gleichzeitig Zen-Meister der Rinzai und Soto-Schule ist.

Wir lesen im Tempel Sutren, chanten das Nembutsu, praktizieren Zazen und Kinhin, die Sanghe-Methode Jujukinkai ist das Herzstück unserer Praxis.

Senkobo

Von 1467 - 1477 gab es in Japan viele Kriege. Kyoto war zentraler Kriegsschauplatz, da sich dort der Kaiserpalast befand. Damals gab es einen Samurai mit dem Namen Usami Mino-no-kami (Usami=Nachnahme, kami=Herrscher, no=über, mino=eine Region in Westjapan). Dieser Samurai erlebte im Krieg einen Zustand, zu dem man Mujo sagt (mujo= die Vergänglichkeit alles Wesenhaften). Durch dieses tiefe Erleben geprägt wurde er Priester.
Usami Mino-no-kami hat ab diesem Zeitpunkt Satori (Erleuchtung, Erwachen) gesucht. Er hat sein ganzes Leben lang Zazen und Nembutsu geübt. Es wird berichtet, dass er ein tiefes Satori verwirklichte, sodass sein ganzer Körper strahlte. Dies war die Geburtsstunde des Tempels und Praxisweges von Senkobo. In der Stunde seines Todes nahm er die Zazen-Haltung ein und rezitierte Namuamidabutsu mit einem Lächeln auf dem Antlitz.

Derzeit sind der Zenmeister und Jodo Shin Priester Reunken Usami Roshi, geistiges Oberhaupt in der 23. Generation, und sein Sohn Osho Yukinori Usami in der 24. Generation, Nachfolger im Tempel von Senkobo.

Die Geschichte unseres Tempels in Österreich

Shaku Yokô Josef Hartl übte 1993 das erste Mal Jujukinkai in Senkobo. Nachdem er mit 23 Jahren autodidaktisch mit einer Zen-Praxis vor der weißen Mauer begonnen hatte, später Naikan übte und jahrelang Naikan als Übender und Leiter praktizierte, um 1993 feststellen zu müssen, dass er immer noch nicht Gewissheit hatte, kam er zur Übung nach Senkobo.
Usami Roshi autorisierte ihn nach seinem Jujukinkai, diese Form in Europa zu leiten, womit er 1994 auch begann. 1996 schloss Shaku Yokô Jujukinkai bei Usami Roshi ab und bekam von ihm als weitere Übung das Koan "Mu" für den Rest seines Lebens. Usami Roshi bestimmte mit Shaku Yokô den Namen für einen Tempel, den dieser 1997 in Österreich begründete. Usami Roshi erteilte ihm die Befugnis, in diesem Tempel Senkobobuddhismus zu lehren.

Shaku Nyo Ren Helga Hartl-Margreiter praktiziert seit Anfang der 80er Jahre Zen, unter anderem übte sie im Bodhidharma Zendo in Wien bei Genro Seun Osho und Joshua Sasaki Roshi. Sie leitet seit 1986 Naikan und kam ebenfalls 1986 das erste Mal bei einer Naikan-Studienreise nach Senkobo. 1995 übte sie in Senkobo Jujukinkai und nahm Zuflucht zu dieser Praxisrichtung. Sie schloss Jujukinkai ab, um über das Koan "Mu" ihr ganzes Leben lang weiter zu meditieren.
Sie erhielt die Lehrbefähigung für Jujukinkai und begründete zusammen mit ihrem Mann den Senkozan Sanghe Nembutsu Do.
2005 wurde sie von Reunken Shue Usami Roshi als Osho des Senkozan-Tempels ordiniert.



AN DIESEM ORT WIRD ZAZEN PRAKTIZIERT SANGHE (TIEFE REUE) DURCH JUJUKINKAI GEÜBT DAS DO NEMBUTSU GERUFEN

Die Praxis des Senkobobuddhismus wurde von Reiunken Usami Roshi, Zenmeister und Jodo Shin Priester von Senkobo, aus einer Synthese des
Zen- und Shin Buddhismus geformt.
Sie umfasst drei wesentliche Übungen: Zazen (Zen Buddhismus), Nembutsu (Shin Buddhismus) und Sanghe (tiefe Reue, Bekenntnisse).
Diese "3 Säulen der Kraft", ernsthaft und mit tiefem Vertrauen praktiziert, sind machtvolle Wege, die grundlegende Einsichten in die "Wahre Natur" ermöglichen.
Zazen - das "Sitzen in der Sammlung des Geistes", erlaubt uns durch Achtsamkeit unsere Gewohnheiten und Anhaftungen körperlicher und geistiger Art zu ergründen.
Die Kraft dieser meditativen Übung bringt Ruhe in Körper und Geist. Im Augenblick tiefster Stille kann Einsicht in die "Wahre Natur" geschehen.
Die Sitzperioden dauern 25 - 30 Minuten, dazwischen wird Kinhin (Gehmeditation) praktiziert.


Nembutsu - die heiligen Silben NA MU A MI DA BUTSU
rufen wir mit einem selbstlosen Herzen. Nembutsu bedeutet wörtlich sich unausgesetzt mit einem Herz voll Hingabe und
einem aufrichtigem Geist dem angestrebten Zustand hinzugeben, mit Buddha eins zu sein. Das Nembutsu in Senkobo wird Do-Nembutsu (Erde-Nembutsu) genannt.
Das heißt, dass wir vollkommen wie die Erde werden, die alles trägt und erträgt. Wir werfen alles weg, erheben uns über unser Ego hinweg und verwirklichen Schritt für Schritt
die vier Grenzenlosen- Liebende Güte, bedinungsloses Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut.
Wir praktizieren das Do-Nembutsu immer weiter, egal in welcher Tiefe des Bewusstseins wir uns befinden. Eine fortgesetzte Rezitation ist ein Teil unserer Anstrengung und Hinwendung
zur Kraft von Mitgefühl und Barmherzigkeit und dem Licht ohne Anfang und Ende, das wir mit Amida Buddha bezeichnen.


Sanghe - tiefe Reue, das Ablegen von Bekenntnissen mittels Jujukinkai (die 10 Hauptgebote) und Sanghe-Naikan (Innere Prüfung).
Wir läutern Geist und Herz von unheilsamen Aktivitäten und machen uns "leer" für Amida Buddha, für das Licht ohne Anfang und Ende.
Jujukinkai und Sanghe-Naikan energisch und fortgesetzt praktiziert, führen uns zu tiefer Verbundenheit, Mitgefühl und Barmherzigkeit mit allen fühlenden Wesen.
Wir werden ermutigt mit Sanghe-Naikan tief in den Erinnerungen unseres Lebens zu schürfen, konkret und den Tatsachen entsprechend, in Bezug auf Personen,
andere Lebewesen oder auch Themen, mit den Fragen:

  • was hat (z.B.) die Person für mich getan?
  • was habe ich für diese Person getan?
  • welche Schwierigkeiten habe ich dieser Person bereitet?

Mit Jujukinkai prüfen wir unsere Gedanken, Worte und Handlungen anhand der 10 Hauptgebote (Sittenregeln):

  • 1. Abstand nehmen vom Töten.
  • 2. Abstand nehmen vom Nehmen was nicht gegeben ist.
  • 3. Abstand nehmen vom Missbrauch der Ordnung.
  • 4. Abstand nehmen vom Lügen
  • 5. Abstand nehmen von der Berauschtheit (nicht nur Alkohol ...).
  • 6. Abstand nehmen vom Verleumden anderer.
  • 7. Abstand nehmen vom Hochmut/Selbstlob und Herabsetzen anderer.
  • 8. Abstandnehmen vom Nicht-Geben.
  • 9. Abstand nehmen von Zorn und Hass.
  • 10. Abstand nehmen vom Verachten der 3 Juwelen (Buddha, Dharma, Sangha).


Unsere Erinnerungen und Bekenntnisse legen wir vor dem/der Osho (LeiterIn der Praxiswoche) beim Dokusan (Einzelgespräch) ab.
Jujukinkai und Sanghe-Naikan werden in Form von Praxiswochen (ähnlich Zen-Sesshins) abgehalten.

Das Halten der Sittenregeln ist nicht allein aus ethischen Gründen wichtig. Die Sittenregeln sind die Grundlage einer spirituellen Praxis, da man auf dem Weg geistiger Schulung nicht fortschreiten kann, wenn Herz und Geist nicht frei von der inneren Unruhe sind, die ein gedankenloser,gegen diese Sittenregeln verstoßender Lebenswandel mit sich bringt. Ungeachtet ihrer Entschlusskraft sind jedoch nur wenige Laien-Praktizierende imstande,jede Sittenregel einzuhalten, und so sind Übertretungen in diesem oder jenem Ausmaß unvermeidlich. Solche Übertretungen hindern jedoch nicht daran, den Weg zur Erleuchtung zu beschreiten - vorausgesetzt, dass man sie eingesteht, wahrhaft bereut und sich anstrengt, in Zukunft den Sittenregeln gemäß zu leben.Mit dem Fortschreiten auf dem Weg und durch zunehmende Kraft, Reinheit und Einsicht durch die meditative Praxis werden es weniger Übertretungen.In der Regel üben wir so lange Zazen, Do-Nembutsu und Sanghe, bis wir einen Zustand erreicht haben, den wir Busshokai nennen - wenn sich Buddhanatur offenbart.Was jedoch nach buddhistischem Verständnis dauernden Schaden anrichtet und sich verhängnisvoll auf das geistig-seelische Fortschreiten auswirkt, das ist der Verlust des Glaubens an Buddha, an die Wahrheit, die er nach seiner vollkommenen Erleuchtung enthüllte (Dharma, Lehre). In diesem Fall, so heißt es, ist vollkommene Erleuchtung und damit die Ausrottung der tiefsten Wurzel der drei Gifte- (Gier, Hass und Unwissenheit), nämlich der Unwissenheit unmöglich.Erleuchtung zu verwirklichen und mit tiefem Mitgefühl und Barmherzigkeit lebendig zu leben, ist zentrales Thema im Senkobobuddhismus.
Sich ganz "in das Haus von Amida-Buddha zu begeben", das heißt, immer mehr in jenem Bewusstsein des Lichtes ohne Anfang und ohne Ende zu wirken und zu sein.

Mögen alle Wesen Befreiung finden.
Verehrung dem Buddha Amida.